Werkschau #5: Das volle Programm – Kampagne zur Schlossparty Oberlichtenau bei Dresden
Jetzt am Samstag startet die Größte Ü30-Party Sachsens im Oberlichtenauer Schlosspark bei Dresden. Auch zur vierten Auflage werden wieder über 3.000 Gäste erwartet. Vier Areas bieten so ziemlich alles an Musik, was das Partyherz begehrt und die einzigartige Schlossatmosphäre, Showeinlagen und das Höhenfeuerwerk dürfte ihr übriges tun.
Das komplette Programm zur Kommunikation des jährlichen Events wurde dabei mir übertragen. Auf dem neuen Layout des Veranstaltungs-Flyers basierten sämtliche Werbeformen und das sind bei so einer Veranstaltung nicht wenige: 10seitiger Faltflyer, Neon-Straßenplakate, Werbeplakate (A3, A4, A2, A1), Eintritts- und Freikarten, Wertcoupons, Werbeanzeigen, Web-Seite, jede Menge Varianten von Bar- und Cocktailkarten und ein Haufen Kleinkram.
Ganz uneigennützig poste ich das natürlich nicht, denn zu besagtem Open Air werde ich unter meinem Alter Ego «Reydan» auf Area 2 den gesamten Abend Partymusik auflegen. Wie immer keine ollen Schinken, sondern amtliche Funk-, Soul-, R’n'B-, Disko-Nummern, jede Menge Klassiker plus ein paar Perlen aus den 80ern und 90ern (ja, da soll es tatsächlich welche gegeben haben…).
Hier geht’s zur Web-Seite des Events
Flat-Design: Erholung für die Augen oder ein Schritt zurück?
Wie ein Meute frisch geschlüpfter Justin-Bieber-Teenies überschlägt sich momentan die Designszene. Als hätte man das kalte Feuer erfunden, werden jubelnd die Hände hochgereckt und der neue Quasistandard für alle Graphic-User-Interfaces, Designs und Layouts an die Agenturtüren genagelt: Flat-Design.
Grob zusammengefasst bedeutet das: Anstatt sich an der gesamten Palette der Effekt-Menüs zu bedienen, wird nun die Reduktion gepriesen. Statt Verläufen, Texturen, Schatten und 3D-Effekten soll sich der Bescheidenheit besonnen werden. Verzicht auf jegliche Spielerei und Effekte: flaches Design sozusagen. Ich behaupte ja eher, es wird ein plattes. Denn wie bei jedem neuen Design-Hype, nimmt das Gros der Gestalterfrischlinge neue Strömungen nicht als Ergänzung auf, sondern ersetzt bisherige Grundlagen. Schon ein simpler augenschmeichelnder Farbverlauf mit leichtem Schatten wird aus dem Baukasten verbannt. Das ist so konsequent wie ein DJ, der aus Angst, etwas falsch zu machen, nur die aktuellen Top-50-Hits spielt.
Imgrunde selbiges Spiel, wie bei den 3D-Effekten. Die wurden innerhalb der Flut der täglich neu aufploppenden Web-Anwendungen und Apps eingesetzt. Und das so inflationär, dass sich kaum jemand dem entziehen konnte. Selbst Printprodukte nicht. Dennoch hatten die einen entscheidenden Vorteil. Die dort arbeitenden Kreativ-Direktoren (beileibe aber nicht alle) punkten mit ihrer Erfahrung und meisterten die Haarnadelkurve, über die Neu-Designer gern hinausschießen: Die Balance zwischen dem Hype und bisheriger, ich sage mal konservativer Gestaltung. Ja richtig. Flaches Design existiert schon eine Weile.
Nehmen wir jetzt aber mal an, Flat-Design wird konsequent umgesetzt. Die unverwechselbare Charakteristik eines minimalistischen Layouts wird zur Massenware und jedem Projekt übergestülpt; egal ob es passt. Die Folge ist eine Beliebigkeit der Designs. Gewollt oder ungewollt ähneln sich plötzlich zwei Produkte, wie beispielsweise das aktuelle «Thirty Seconds to Mars» Album und das iOS-Spiel «dots» (Bild). Das Flatdesign erfährt mit der Zeit genauso ein Zuviel, wie jetzt die Effekt-Überhäufung und wird schneller als gedacht vom nächsten Hype überrollt. Schade drum.
Zudem übernahmen die schicken Buttons, Schatten und Transparenzen oft die wichtige Aufgabe, von unzureichenden Seitenrastern und schlechter Typographie abzulenken, wie es die Vorabversionen von iOS 7 verdeutlichen. Ohne diese Effektgardinen stechen solche Fehler nun deutlicher ins Auge, sodass selbst Designunkundige dem Produkt eine gewisse Unrundheit bescheinigen. Sie wirken unfertig und versprühen den Charme der ersten Gehversuche in den Neunzigern; andererseits sind die ja gerade noch angesagt. Interface-Designer werden trotzdem massiv umdenken und ihr Gespür für Textformen und Farben schulen müssen. Das Design minimalistischer Layouts mit dem gewissen Wow-Effekt sieht nämlich nur leicht aus, in Wirklichkeit ist die Arbeit dahinter weitaus größer.
Designer sollten sich also auf die Grundlagen besinnen – sofern Sie es sowieso nicht schon jetzt tun. Neue Einflüsse nimmt man dabei gern auf, setzt sie aber nur dosiert ein. Das wirkt mitunter kraftvoller, als jedes Layout in ein Hypekorsett zu quetschen, damit in der Masse unterzugehen und ersetzlich zu werden.
Nachtrag:
Thomas klärt mich auf gigold.me auf. Das Punkt-Design ist eigentlich Kunst: auf Leinwand unter dem Namen Ellipticine von Damien Hirst erschienen und so auch auf dem Cover von Thirty Seconds To Mars verwendet. Jetzt kann man sich streiten, dass Kunst ja imgrunde auch Design ist, aber Hirsts Werk entstand bereits vor 2007. Das dots jetzt so ähnlich aussieht, dürfte damit Zufall sein. Das Beispiel lass’ ich trotzdem Mal drin.
Werkschau #4: Neulayout Kundenzeitung – Energie- und Wasserwerke
Ein Neulayout der Kundenzeitung war nötig. Das meinten auch die Energie- und Wasserwerke in Bautzen, die ich im Rahmen des viermal jährlich erscheinenden Blattes mittlerweile seit sieben Jahren betreue. Das alte fünfspaltige Layout wandelte ich nun gemeinsam mit dem Kunden in eine zeitgemäße Version um.
Als erste Tat ersetzte ich die genutzte Hausschrift OfficinaSerif durch den ähnlichen Schnitt ohne Serifen. Das Erkennungsbild bleibt dabei optisch ähnlich, wirkt aber moderner. Der wuchtige und vor einigen Jahren bereits verkleinerte Titel-Header wurde noch ein Stück kompakter und bietet dem Titelfoto mehr Raum. Auch die untere Leiste wurde angepasst, erscheint in einheitlichem Blau und passt sich somit mehr den Anzeigenmotiven des Unternehmens an.
Den sichtbarsten Relaunch erfuhren die Innenseiten. Das durch vollständig gefüllte Spalten dominierte Zeitungslayout sprengte ich komplett und ersetzte es durch eine flexible Drei-Spalten-Gestaltung. Eine randlose Umsetzung kam dabei nicht infrage, da im Zeitungsdruck ein rund 15 Millimeter breiter, technischer Rand bleibt, der nicht bedruckt werden kann. Auffälligstes Merkmal dürfte die redaktionell Umsetzung sein: jeder Seite ist nur ein Thema gewidmet. Der Umfang der Zeitung stieg damit auf 12 Seiten an.
Die Pagination ließ ich bewusst dünn; so bleibt der Headline mehr Luft. Selbiges bei der schwebenden Bildbeschriftung. Die den einzelnen Tochterunternehmen zugeordneten Farben finden sich weiterhin in der Farbgestaltung der einzelnen Seiten wieder. Der Rest ist typografisches Handwerk und fand während der Produktion der ersten Ausgabe sein endgültiges Gesicht. Zu guter Letzt blieb das Layout trotz der relativ festen Gestaltungsmodule flexibel gegenüber besonderen Inhalten wie Freistellern und Grafiken. Bei dem breiten Themenspektrum des Magazines eine Grundbedingung.
Die Kundenzeitung hier zum Download als PDF
Wer bezahlt das Festival am Partwitzer See?
Es war eigentlich alles gesagt zum Festival am Partwitzer See. In einem Monat findet es unwiderruflich statt. Von 40.000 Gästen je Abend (120.000 an drei Tagen!) wurde anfangs gesprochen. Das korrigierten die Veranstalter stufenweise auf mittlerweile 10.000 (30.000 an drei Tagen), womit man der Realität etwas näher kommt, aber damit auch einem gewaltigen Problem: den Kosten.
Der Hoyerswerdaer fragt sich nun zu Recht: Wer begleicht eigentlich die Ausgaben, wenn gar nicht so viele Gäste kommen, wie zu Beginn für ein Plus in der Kasse kalkuliert worden ist? Immerhin werden jetzt ganze 75 Prozent weniger erwartet. Dass es nicht wesentlich mehr werden, dürfte jedem klar sein, der sich nur ein wenig mit Lausitzer Events auskennt.
Regelmäßige Veranstaltungen in Hoyerswerda und der Lausitz sind Mangelware geworden. Dort, wo sich vor einigen Jahren noch Partymacher um die besten Termine prügelten, macht nun einer nach dem anderen seinen Laden dicht. Noch existierende Veranstaltungen knabbern fast ausnahmslos an Besuchereinbrüchen bis zu 60 Prozent. Selbiges ein paar Kilometer weiter oben: der Lausitzring. Warum steigen dort trotz bester technischer Voraussetzungen keine Festivals, Konzerte oder Partys mehr? Selbst das Hoyerswerdaer Populario-Festival – eine Indie-Größe – hatte seinerzeit aufgegeben. Und das hat doch Gründe. Es fehlen schlicht und einfach die Leute in der relevanten Zielgruppe, die noch ausreichend Ressourcen in der Brieftasche haben.
Eine grobe Rechnerei: In Hoyerswerda wohnen 14.000 Menschen zwischen 20 und 55 Jahren. Das ist meiner Meinung nach die Altersgruppe, auf die offensichtlich abgezielt wird. Davon ziehen wir mal geschätzte zweitausend Empfänger von Sozialleistungen und die Geringverdiener ab, die sich die Festivalkarten nicht leisten können. Ein Drittel mag die Musikrichtungen nicht, ein weiteres Drittel findet keine Zeit, kommt Arbeitsverpflichtungen nach oder ist krank. Bleiben knapp 3.000 Menschen übrig, die als potentielle Gäste zur Verfügung stehen. In anderen Städten der Region sieht es ähnlich aus.
Auch das Argument der Besucherscharen aus Berlin, Dresden oder Leipzig zerfällt beim strengeren Hinsehen: Wenn man einen Bäcker in der eigenen Straße hat, fährt man doch auch nicht ans andere Ende der Stadt, um Sonntagsbrötchen zu kaufen. Da müssen die Schrippen schon fantastisch sein. Das neue Festival mag wohlmöglich irgendwann so fantastisch werden, aber das weiß ja niemand. Für Dresden oder Berlin kann ich nicht sprechen. Aber in Leipzig habe ich zwei Plakatwände entdeckt. Noch hinter Großzschocher auf einer kleinen Straße… Da wäre ich spontan dafür, noch eine Werbetafel in Zimpel aufzustellen.
Selbst in sozialen Medien werden die Potentiale verschenkt. Wobei dort einfacher denn je zu werben ist. Die Kraft der sozialen Medien durfte das Team mittlerweile kennenlernen: Die an den Haaren herbeigezogene Absage an die Band «Immerhin» zum Bandcontest sollte wohl die Provinz-Version des With-Full-Force-Debakels werden, hat aber nur eine Welle entrüsteter Fans heraufbeschworen, die diese Idee nicht ganz so toll finden.
Aber was soll’s. Bei jedem anderen Veranstalter würde man jetzt den Kopf schütteln und zum Tagwerk übergehen. Sollen die doch schön ihr Geld zum Fenster für Projektleiter, extra angelegte Baustraßen oder teuer eingekaufte Dienstleister rausschmeißen… – Aber irgendwie ist es in diesem Fall doch gar nicht deren Geld…
Wo das Geld herkommt
Die Lausitzhalle als Veranstalter des Festivals ist ein Tocherunternehmen der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda (SWH). Eine Holding, die zu einhundert Prozent der Stadt Hoyerswerda gehört. Also einer Kommune, die sich großteils über Steuergelder finanziert. Momentan werden Verluste der unter der Holding verwalteten Kultureinrichtungen mit den Einnahmen der Versorgungsbetriebe quersubventioniert, an denen die SWH das Gros der Anteile hält. Das städtische Kulturhaus erwirtschaftete in den Vorjahren bekanntermaßen keine Gewinne und besitzt auch keine Rücklagen. Dieses Defizit wird angesichts der desaströsen Besucherzahlen der Lausitzhalle 2013 eher noch steigen.
Die Kosten des Events am Partwitzer See kommen da noch rauf. Drei bis vier Millionen Euro grob geschätzt. Im Falle eines gering besuchten Festivals kann der Veranstalter – wohlwollend vermutet – maximal die Hälfte der Kosten decken. Den Rest müssen die SWH ausgleichen. Nun verdienen Stromunternehmen ja nicht so schlecht (eine Kilowattstunde kostet im Einkauf 5 Cent, bei Stromüberschuss sogar deutlich weniger); sind aber auch kein Quell unendlicher Mittel.
So kann man ja durchaus darauf spekulieren, dass die Endkunden-Preise der von der Holding verwalteten Unternehmen (Energie, Wasser, ÖPNV, Kultur) direkt und indirekt erhöht werden. Eine versteckte Kulturabgabe sozusagen. Wenn alle Stricke reißen, könnte die Stadt Hoyerswerda als mittelbarer Beteiligter für die Verluste haften und müsste diese aus eingenommen Steuergeldern begleichen. Ein nicht sehr wahrscheinlicher Fall, aber ein möglicher. Egal wie man es also dreht und wendet: Bezahlen wird der Hoyerswerdaer Bürger. Denn die Frage ist schon lange nicht mehr, ob mit dem Festival im Seenland große Verluste gemacht werden, sondern wieviel.
Nachreichung
Bereits zu meinem ersten Festival-Artikel wurde mir von einigen Seiten eine Miesepeter-Mentalität unterstellt. Man solle doch froh sein, dass mal jemand was in der Lausitz aufzieht. Und die Region, ich solle doch an die Wichtigkeit des Events für die Region denken.
Unbestritten begrüße ich alle Unternehmungen, welche Hoyerswerda und das Lausitzer Seenland bekannt machen. Ich unterstütze seit Jahren die Stadt und tue das noch immer; trotzdessen ich mittlerweile in Leipzig wohne. Allen voran die Kulturfabrik, die neben der Kinder- und Jugendarbeit kontinuierlich attraktive Veranstaltungshöhepunkte aufbaut (aktuell z.B. Fete de la Musique, das Sommerkino im Schloss oder das Straßentheaterfest). Letzteres begann klein, wuchs in den Jahren und hat mittlerweile einen Ruf, der selbst Leute aus der weiteren Umgebung anlockt.
Diesen Status will man am Partwitzer See jedoch von null auf hundert erreichen. Einen Status, den man sich mit Qualität, Ausdauer und Professionalität über Jahre erarbeiten muss. Natürlich wünsche ich dem Festival viele Gäste. Die sollen auch jede Menge Spaß haben, alles in guter Erinnerung behalten, es weiterempfehlen und vielleicht sogar wiederkommen. Mit einer längeren Planungsphase, einem regional erfahrenen Marketing-Team sowie mehr Geduld, hätte eine kleinere Version des Events jedoch wesentlich bessere Chancen auf einen Erfolg gehabt; sich gar zu einem Markenprodukt des Lausitzer Seenlands entwickeln können. Das angedachte Konzept ist nämlich so schlecht nicht, rast aber durch seine an Größenwahn grenzende Umsetzung von Beginn an auf einer Schiene entlang, die nur eine Endhaltestelle hat: den wirtschaftlichen Totalschaden. Und so etwas nützt der Stadt rein gar nichts, sondern macht sie lächerlich und verspielt das Vertrauen in zukünftige Veranstaltungskonzepte.
Werkschau #3: Projekt «Auszeit» der Kulturfabrik ausgezeichnet
Schön zu sehen, wenn Kundenprojekte Erfolg haben. So auch die «Auszeit – Nachdenken über H.» der Kulturfabrik Hoyerswerda, die 2012 einen kompletten Abrissblock für einen knappen Monat in Hoyerswerda zu einem urbanen Treffpunkt umbauten. Die einzelnen Labore dienten als Netzwerk für Hoyerswerdaer Bürger: mit unter anderem Vorträgen, Ausstellungen, Kunst, Musik, Social-Cooking und und und. Von Kindergarten bis Senioren trafen sich nahezu alle Altersgruppen. Das Konzept ging auf: Bürger zusammenzuführen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Die Resonanz plus Medienecho waren gewaltig.
Auch die Kampagne stand im Zeichen des Miteinanders. Das Logo und Innenkonzept entwarfen das Architektenbüro Lienig & Baumeister, die Fotos während des Projektaufbaus schossen Hobbyfotografen, die Programmbroschüre, das Plakat und das Social-Media-Marketing lagen in meinen Händen.
Jetzt wurde die Auszeit unter dem Ideenwettbewerb «Neue Nachbarschaft» prämiert. Aus insgesamt über 600 Einsendungen wurde die Kulturfabrik mit ihrer Abrissblock-Idee neben 22 anderen nomiert und wurden nun mit elf anderen als Gewinner ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch.
Den Printmedien geht es schlecht – Was LVZ, SZ & Co. besser machen können
Das aktuelle Dossier in der Juni-Ausgabe des Kreuzers zehrt es wieder an die Öffentlichkeit: Den Printmedien geht es schlecht. Jetzt kann man den Kreuzer zwar nicht eins zu eins mit anderen Tages-/Wochenzeitungen oder Monatsmagazinen gleichsetzen. Das Magazin zielt mit seiner Berichterstattung nicht auf die breite Masse, eher doch auf ein intellektuelles, politisch interessiertes junges (und junggebliebenes) Publikum mit dem Schwerpunkt Kunst und Kultur. Zu speziell, was auch selbst zugegeben wird. Kurzum: Der Kreuzer ist ein Liebhaberprojekt. Dennoch versinnbildlicht dessen Krise die Lage des Printgeschäftes.
Das Internet und gerade die Verbreitung mobiler Endgeräte, allen voran die Tablets, saugen dem herkömmlichen Konzept Zeitung/Zeitschrift zunehmend das Öl aus der Lampe. Wer sich mit Neuigkeiten versorgen möchte, klickt auf irgendeine News-Seite und hat sie auf dem Schirm. Ohne eine Gegenleistung. So ist es der Nutzer seit Jahren gewöhnt.
Den schwarzen Peter in der Gratismentalität des Netzes zu suchen, erweist sich nämlich als Fehler. Eher wird man bei den Verlagen selbst fündig, auch die Tageszeitungen sind nicht ganz unschuldig an der Misere. Jeder wollte der erste sein und seine Inhalte im Netz präsentieren. Und so wurden alle Neuigkeiten ohne Sinn und Verstand für lau auf der eigenen Internetseite veröffentlicht. Das einzige Gut, das eine Zeitung besitzt, wurde verramscht. Journalismus war urplötzlich nichts mehr wert. Irgendwann steigen auch die Abonnenten dahiner, dass die Inhalte, für die sie bezahlen, gratis im Netz zu haben sind und das meist deutlich früher. Warum da noch ein Abo weiterlaufen lassen?
ISDN? Wirklich!?
Ich komme mir ja selbst schon ziemlich blöd mit meinem Tageszeitungs-Bashing vor. Aber die LVZ bietet so rasante Steilvorlagen, dass ich einfach nicht anders kann. So wie kürzlich in der Wochenendausgabe. Eine Füllanzeige, da die Kleinanzeigen nicht gereicht haben. Sowas passiert immer wieder mal, aber was aktuelleres hätte man doch finden können, oder?
Wer benutzt in Zeiten von Breitband denn bitteschön noch ISDN zum Druckdatentransfer? Ende der Neunziger war der schweineteure Leonardo-Kram für den Mac Standard. Mit den seltenen (und noch schweineteureren) Netzwerkkarten, die über zwei Anschlüsse auf vier Kanälen sendeten (256kbit/s, also gute 30kb/s) kam man bei 50 MegaByte Daten auf eine schnuckelige Sendedauer von rund einer halben Stunde. Aber die Gegenstelle hatte meistens sowieso nur zwei Kanäle.
Das Ganze brach dann immer mal gern ab und so konnte man den ganzen Mist nochmal durch die Leitung jagen tröpfeln lassen. Bei Daten für mehrere Lokalausgaben einer Wochenzeitung glühten dann logischerweise von früh bis abends die Leitungen. Und wehe, eine Datei war mal korrupt. Oft war in dem Fall noch die Gegenstelle besetzt, weil jemand anderes Daten sendete. Ein paar Kanäle fielen aus oder die Verbindung brach ab, weil die Festplatte der Gegenstelle voll war. Der Feierabend war eigentlich permanent versaut.
DSL war die Erlösung und momentan hat sich mittlerweile alles auf den Datenaustausch via FTP eingepegelt. Oft schon WebDAV. Zur Not mal via E-Mail. Aber ISDN?
In eigener Sache: Iron-Blogger Leipzig
Zumindest kurz erwähnen möchte ich es. Ironblogger ist kein neues Konzept, gibt’s jetzt aber auch in Leipzig. Die sozialen Netzwerke lassen viele Blogschreiber bei Facebook, Twitter, Tumblr & Co. fremdeln und damit den eigenen Blog vernachlässigen. Jeder Blogbesitzer, der sich den Ironbloggern anschließt, verpflichtet sich nun für einen Artikel pro Woche in seinem eigenen Blog.
In letzter Zeit schlüpften in meinem Blog monatlich vielleicht zwei Artikel. Dafür, dass es täglich immer einen geben sollte, bin ich ganz schön bummelig geworden und mache darum jetzt bei den Ironbloggern mit. Einen kleinen Ansporn gibt es nämlich:
Verfasst der Schreiber eine Woche mal keinen Artikel, wandern fünf Euro von ihm in einen von den Ironbloggern verwalteten Topf. Der wird am Monatsende in eine Kneipe geschleppt und dann zünftig gegen Bier eingetauscht. Im von den Ironbloggern beschriebenen Idealfall sind alle Blogger fleißig und der Topf bleibt leer. Mein Idealfall ist aber der, wo es das Bier gibt…
Der fixe WordPress-Tipp: Texte aus Office & Co. kopieren
Texte aus Office-Dokumenten enthalten neben allen möglichen Formatierungen auch ab und an unerwünschte Code-Schnipsel. Die sieht man nicht direkt, sondern erst dann, wenn man auf den HTML/Text-Reiter bei «Beitrag erstellen» klickt. Diese unter «Visuell» unsichtbaren Zeichenfolgen können jedoch die Ausgabe des Beitrages auf dem Server behindern, blockieren oder andere gewünschte Scripte (Smart Youtube beispielsweise) beeinflussen. Kurzum: sie stören.
Bevor man den unliebsamen Code mühsam über den HTML/Text-Reiter ausradiert, ist es einfacher, den Text aus der Mail, Word oder anderen Dokumenten über die Buttons «Aus Wordeinfügen» oder «Als unformatierten Text einfügen» ins Dokument einfließen zu lassen. Über diesen kleinen Umweg werden sämtliche Formatierungen und Steuerbefehle gelöscht und nur der reine Text in das Dokument eingesetzt.
Service-Siegel? Geschenkt! Downloaden und freuen.
Oft bleibt nach einem Auftrag allerlei Kram übrig: Layoutmuster, Buttons oder andere Elemente, bei denen man immer denkt: «Das kann ich nochmal gebrauchen, lösch ich mal lieber nicht» Die Chance, dass man sowas allerdings wieder aus dem Archiv zieht, ist gering. Oft ist es ja wirklich individuelles Material, unbrauchbar für jedes andere Projekt. Aber heute stolperte ich über ein Service-Siegel, dass es so nie in ein Kundenprodukt geschafft hat und zu Schade dafür ist, um es auf der Platte verkümmern zu lassen. Darum stelle ich das hier mal gratis zum Download rein.
Das Archiv und deren Inhalte unterliegen der Creative Commons Lizenz (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported) und neben zwei PDF-Dateien (mit und ohne Hintergrund) habe ich noch die InDesign-Datei (CS6) dazugepackt. Die in dem Siegel verwendeten Fonts habe ich durch Freefonts (League Gothic und Arvo) ersetzt. Die kann man benutzen oder seine eigene Wunschschrift.
Download des ZIP-Archivs hier (1MB)
Wer Gefallen an dem Siegel findet und es vielleicht sogar nutzt, der kann liken, plussen, flattern, teilen oder freut sich einfach still und leise für sich.






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