Das BILD-Präsent – Einem geschenkten Gaul…

Zum 60. Geburtstag verschenkt sich die BILD selbst. An alle deutschen Haushalte. Das ist nichts Neues und bereits seit Januar bekannt. Als viel aufregender offenbart sich aber der Protest gegen diese Gratis-Verteilung. Gerade medienaffine Blogger und sonst recht gut aufgeklärte Menschen wettern gegen das Scherflein und freuen sich händereibend darauf, wie sie es dem Springer-Verlag jetzt mal so richtig heimzahlen können. Mit enormem Aufwand wird der Zustellung widersprochen, werden Formulare gefüllt und Aufkleber gebastelt.

Dass bereits seit Jahrzehnten wöchentlich mehrere Gratis-Zeitungen in den Briefkästen landen, die selten überflogen, aber öfter direkt in der Papiertonne landen, vergisst man bei der Euphorie ganz und gar. Jetzt macht es ja die BILD und das darf ja nunmal gar nicht sein. Soweit der allgemeine Konsens.

Dabei haun die Wochenpublikationen mitunter in gleicher Stärke auf den Putz. Da hätten wir Propaganda-Blätter, welche Stimmung machen, gegen Anzeigen-Text-Trennung verstoßen, die fitzeligsten Banalitäten als großen Aufmacher feiern und sich an Einzelschicksalen weiden; um nur mal die Spitze des Eisberges anzudeuten. Dieser Umstand wird ignoriert und sich stattdessen auf die massenwirksamere Schlachtung des FeindBILDs gestürzt. Irgendwie vermisse ich da die Objektivität. Etwas, womit sich die Netzgemeinde sonst so rühmt.

Als Medientreibender stecke ich der Zustellung gegenüber im Zwiespalt. Einerseits zähle ich damit zur Masse der potentiellen Konsumenten, die Anzeigenkunden als Verkaufsargument genannt werden. Andererseits würde der Verlag einen Teufel tun, auch bei sechsstelligen Zustellungswidersprüchen mit dem Anzeigenpreis runterzugehen. Der Protest bedeutet nur marginalen logistischen Mehraufwand für die Zusteller, die wie bei der Verteilung von Tageszeitung-Abos agieren und das Produkt nur denen zuteilen, die nicht dagegen widersprochen haben. Ein wirklicher Schaden entstände dem Unternehmen kaum.

Was unterm Strich für mich bleibt, ist ein positiver Aspekt: Wo kann man sonst so einfach sehen, wer was für eine Kampagne in welcher Größe fährt, welche Themen für die breite Masse als wichtig erachtet werden und mit welcher Thematik wieder ordentlich die Tapete entleimt wird? Letztlich steht es jedem frei, das Blatt zu ignorieren und ungelesen mit anderen Druckprodukten in der Altpapierkiste schmurgeln zu lassen. Aber egal, wie sich jeder Einzelne entscheidet, eines ist der BILD bestens gelungen: Noch ist die Zeitung nicht verteilt, aber die Aktion dank Vorabrevolte in aller Munde.



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Über den Author

Daniel Reiche Tag. Ich bin Daniel Reiche und verdinge mich als Grafik-Designer und DJ in Leipzig. Zum Google Plus Profil