Was bedeutet eigentlich Linotype?

Der Name Linotype ist Grafikern meist als Vertrieb und Hersteller digitaler Schriften bekannt. Die Essential-Sammlungen vieler klassischer Satzschriften (erkennbar am Kürzel LT hinter dem Fontnamen) dürften nicht bei wenigen den Weg in die Schriftverwaltung gefunden haben. Das Unternehmen Linotype wurde inzwischen in Monotype umgenannt, nachdem es von Monotype Imaging Inc. gekauft wurde.

Erfinder der beiden Systeme war der amerikanische Ingenieur Tolbert Lanston, der damit eine Vereinfachung des bisherigen Satzsystems im späten 19. Jahrhundert revolutionierte. Buch- oder Zeitungsseiten mussten bis dahin noch mühevoll Buchstabe für Buchstabe zusammengebaut werden. Seine Maschinen übernahmen den Großteil dieser kleinteiligen Handarbeit.

Die Monotype-Maschine besaß eine mechanische Tastatur, nach deren Anschlagen ein Lochstreifen erstellt wurde. Dieser Lochstreifen diente dann als Basis für die Gießmaschine, die daraus einzelne Buchstaben goss und automatisch in einen Druckstock einfügte, mit dem dann nach den herkömmlichen Verfahren gedruckt werden konnte. Das ganze Verfahren nennt man übrigens Maschinensatz.

Für Bücher und Zeitungen war diese Arbeitsweise aber immer noch zu aufwendig, weshalb Lanston selbst den direkten Konkurrenten zur Monotype entwarf: die Linotype. Diese Setzmaschine kann man als die eierlegende Wollmilchsau der damaligen Druckereien bezeichnen, da es drei Maschinen vereinte und auf kleinstem Raum ein wahres Meisterwerk an Ingenieurskunst darstellt. Nach dem Anschlagen der Tasten, rutschen Gussformen der Buchstaben (Matrizen) in eine Zeile, aus denen mit flüssigem Blei direkt die benötigte Zeile (Foto) gegossen wird. Die Zeilen ließen sich leicht stapeln und ergaben in kürzester Zeit komplette Seiten oder Zeitungsartikel. Das System war so effizient, dass es in vielen Druckereien erst Anfang der Neunzigerjahre (!) durch Desktop-Publishing abgelöst wurde.

Mit der Funktionsweise ergibt sich auch die Lösung, weshalb Lanston sein System Linotype nannte: Während die Monotype einzelne (mono) Buchstaben (type) nur anordnete, goss die Linotype diese Buchstaben (type) in einer zusammenhängenden Linie (lino) auf. Ich werde in einem zukünftigen Beitrag mal etwas näher auf diese Maschine und deren Funktionen eingehen, da ich besonders das binäre Ordnungsystem der einzelnen Buchstabengußformen als brillant erachte. Momentan fehlt mir dazu aber ein bisschen die Zeit.

Als Leipziger Grafik-Designer, Fotograf und Kameramann blogge ich hier zu Themen meiner täglichen Arbeit. Dazu gibt es auch Beiträge meiner aktuellen Layouts & Gestaltungen, Fotoarbeiten und Videoproduktionen.