Workaround: Eine kleine Tabelle zu einer illustrierenden Schaugrafik verwandeln

Der Mensch mag es übersichtlich. Schränke haben Schubfächer, Regale besitzen Ablagen und auch am Rechner packen wir alles artig in Ordner und Kataloge. Um abstrakte sowie komplexe Listen zu verwalten, hat man dann noch die Tabelle erfunden. Diese erweist sich bei größeren Mengen, Jahresabschlüssen, Busplänen oder Preislisten als durchaus praktisch. Doch bei kleineren Sachverhalten wirkt eine Tabelle oft verloren. Drei Spalten und zwei Zeilen sehen einfach nur lächerlich aus und ab hier ist es Aufgabe des ausführenden Gestalters, sich die Zeit für eine illustrierende Schaugrafik zu nehmen.

Eine Tabelle ist etwas für Statistiker. Den Leser schreckt sie ab, wirkt ermüdend und lässt ihn unterbewusst an an Schule, Lernen und Finanzen denken. Ruckzuck ist die Tabelle weggeblättert. Nun verfassen jedoch gerade diese Statistiker, Verwalter und Buchhalter solche Texte. Das soll ihnen vergönnt bleiben. Sie haben ja schließlich die meiste Ahnung von dem, was sie da so schreiben. Aber dass sie einige Sachverhalte zur «Auflockerung» in Gitterkonstrukte klemmen, muss man nicht hinnehmen.

Eine Illustration lockt das Auge des Lesers, da sie aus dem üblichen Mengensatz herausbricht und symbolisch im Text beschriebene Vorgänge plastisch und nachvollziehbar erläutert. Eine noch so schick herausgeputzte Tabelle wird immer noch gegenüber einer Illustration verlieren. Darum sollte man im Zweifelsfall immer die Illustration wählen.

Selbst wenn man kein sonderliches Zeichentalent hat, können simple Cliparts, Kreise oder je nach Wert größer gesetzte Zahlen einen Sachverhalt deutlicher darstellen. Als Vorgabe zu einem Text über die Förderung zu biologischen Kleinkläranlagen wurde mir beispielsweise folgende Tabelle geliefert:

Wenig aussagekräftig, ein wenig dünne und auch nicht sonderlich schmuck. Das kann eine Schaugrafik besser. Bevor man jedoch loslegt, sollte man den Sachverhalt verstehen. Was will die Tabelle sagen, was hat sie wohlmöglich vergessen, wo könnte der Leser stutzen? Bei dieser ist die Sachlage ja klar und ich kann loslegen.

Die Größe der Grafik, Farbe und auch die Schriftart sind kundenspezifisch vorgegeben. Beim Rest hatte ich freie Hand. Ich entschied mich dafür, die einzelnen Fördergegenstände symbolisch darzustellen. Die Silhouette einer Kleinkläranlage vereinfachte ich zu einer simplen Form. Damit die Tröge nicht so leer dastehen, packte ich noch einen Stapel weiße Kreise rein und einzelne Symbole, welche die einzelnen Faktoren der Förderung verkörpern.

Damit sofort klar ist, was die einzelnen Tröge und Symbole bedeuteten, wird die Bezeichnung daneben gesetzt.

Die Förderung bis zu einer bestimmten Personenanzahl bietet sich dann förmlich schreiend dazu an, kleine Symbolmännchen zu nutzen. Ein Erklärtext daneben und die Fördersumme unten drunter machen die Sache rund.

Jetzt nach selbem Prinzip die Fördersumme für jeden weiteren Einwohner dazu.

Und bei den anderen dasselbe Spiel.

Damit nun alles nicht so trist wirkt, habe ich noch ein kleines Geldsymbol in die Ecke gequetscht und einzelnen Elemente mit Schatten versehen. Letztlich bekam der Hintergrund der gesamten Grafik noch eine transparente Version des Kleinkläranlagensymbols spendiert.

In wenigen Handgriffen ließ sich aus der langweiligen Tabelle ein Mehrwert ziehen. Und das Beste an dieser Sache: das Ganze hat noch nicht mal eine Stunde Arbeit gekostet.