7 Empfehlungen – Wie verhalte ich mich auf einer Veranstaltung, auf der fotografiert wird?

Verhaltensregeln gegenüber Fotografen? »Was soll das?«, wird sich jetzt jeder denken, »der Fotograf sollte doch vielmehr Rücksicht auf mich nehmen!« Genau das tut ein professioneller Bildermacher sowieso schon: Bei dokumentarischen Einsätzen wie der fotografischen Begleitung von Veranstaltungen, Kongressen, Eröffnungen etc. bleibt ein Fotograf meistens im Hintergrund und wird sich erst dann näher heranwagen, nachdem sich ein Großteil an den klickenden Fremdkörper gewöhnt hat und ihn kaum noch wahrnimmt. So entstehen während des Einsatzes natürliche ungestellte Fotos. Trotzdem stolpere ich regelmäßig über einige Verhaltensweisen, die den Gast oder Auftraggeber selbst um die schönsten Fotos bringt.

1. Solange es kein gestelltes Portrait ist: Nicht direkt in die Kamera schauen

Der dokumentarische Fotograf legt Wert auf ungestellte Momentaufnahmen. Die Bilder sollen natürlich aus der beobachtenden Position erscheinen; quasi direkt aus dem Leben gegriffen. Der Effekt ist natürlich dahin, sobald Personen auf dem Foto bewusst (meist etwas verstohlen) in die Kamera schauen und damit die sogenannte »Vierte Wand« durchbrechen. Dem Betrachter des Fotos wird damit die Illusion genommen, ein außenstehender Beobachter zu sein, der zufällig in die Szene reinschaut. Die Magie der Szene verpufft.

Man kann dem Fotografen also seine Bilderserie durchaus versauen, wenn man selbst immer in die Linse schaut, was imgrunde schon eine leichte Art des Photobombings ist. Wenn aber genau nachgedacht wird, ärgert man damit nicht den Fotografen, sondern vielmehr dessen Auftraggeber, dem damit einige gute Motive durch die Lappen gehen.

Lassen Sie sich vom Fotografen nicht ablenken und ignorieren seine Präsenz. Schauen Sie nicht direkt und vorsätzlich in die Kamera, es sei denn, der Fotograf fordert dazu auf (Gruppenbilder, Portraits). Die Angst vor unvorteilhaften Aufnahmen ist übrigens unbegründet: Erfahrene Fotografen lichten solche Szenen gar nicht erst ab bzw. löschen solche Aufnahmen.

2. Kein Versteckspiel

Sie wollen nicht fotografiert werden? Am einfachsten ist es, wenn Sie auf den Fotografen zugehen und sagen, dass Sie nicht fotografiert werden möchten. Er wird es dann auch nicht tun. Versteckspiele wie das schnelle Wegdrehen, sobald die Kamera erspäht wird oder der Klassiker »Unauffällig die Hand vorm Gesicht« helfen niemandem. Wer nicht fotografiert werden will, sollte dann aber auch konsequent sein: Mitten ins Publikum setzen ist dann tabu und die Präsenz auf Gruppenbildern ebenso.

3. Dem Fotograf im Bild stehen ist erlaubt

Dass Sie sich während eines Gruppen- oder Portraitshootings nicht zwischen Motiv und Kameralinse stellen sollten, versteht sich von selbst. Ein dokumentarisches Foto allerdings lebt gleichermaßen von Vorder- und Hintergrund. Darum sind auch Menschen direkt vor der Linse wichtig. Die geben Bildern Tiefe und es wird vermieden, dass beispielsweise Personen auf Bühnen vor einem leeren Saal zu stehen scheinen. Wenn Sie also merken, dass der Fotograf hinter Ihnen steht und über Ihre Schulter fotografiert: Einfach ignorieren und auf keinen Fall Platz zur Seite gehen. Wenn der Fotograf wirklich Platz braucht, sucht er sich den oder bittet darum, vorbei zu können.

4. Hinter dem Fotografen immer etwas Platz lassen

Schnell hinter dem Fotografen durchgehen oder sich unvermittelt dicht hinter ihn stellen bereitet keine Freude. Während des Fotografierens schaut der Bildermacher nämlich durch seine Linse in die Richtung des Motivs und weiß nur, was hinter ihm steht, von dem er sich das letzte Mal vergewissert hat.

Rechnen Sie immer damit, dass der Fotograf einen Schritt nach hinten geht. Tun Sie das nicht, werden Sie mit Sicherheit unsanft angerempelt; sind Sie leichter als 60 Kilogramm, fallen Sie um.

5. Nicht besserwissen

Stellen Sie sich mal vor, Sie können etwas richtig gut. Zum Beispiel am Grill stehen und alles auf den Punkt garen, alle lieben es. Sie haben ein paar Freunde und Bekannte eingeladen und einer deren Begleitung steht plötzlich neben Ihnen am Grill und es geht los:

»Nen Kumpel hat auch einen Grill. Der ist aber größer und das gesamte Gestell aus Edelstahl. Lässt sich besser reinigen.«
»Oh, Warum legen Sie das Fleisch da hin? Legen Sie es doch in die Ecke, da brät es besser.«
»Also sooo zünde ich die Kohle nicht an.«
»Im Fernsehen machen die das Gemüse ja schon am Anfang.«
»Kommen Sie, wir schieben den Grill mal näher an die Gäste, ist doch viel schöner!«

Ab welchem Satz hätte die neue Bekanntschaft Ihr Bier im Gesicht?
Sehen Sie? Besserwisser kann niemand leiden.

6. Selbst Fotos machen: nicht übertreiben

Die Immer-dabei-Kamera namens Smartphone ist die gefürchteste Pest unter allen Fotografen. Lassen Sie das Smartphone in der Tasche. Ein Augenblick wird nicht realer oder als wirklich erlebt dokumentiert, wenn Sie ihn fotografieren – vielmehr bringen Sie sich damit um die schönsten Momente einer Veranstaltung und verderben ruckzuck ein Foto. Oder wollen Sie diejenige Person auf dem Bild sein, die inmitten der Gäste mit hochgehaltenem Smartphone oder Kamera steht und unter Umständen sogar sein eigenes Gesicht oder wichtige Teile der Szenerie verdeckt?

Wo das Smartphone auf jeden Fall unbenutzt sein sollte, sind Gruppenbilder, die ein Fotograf gerade arangiert und im Begriff ist abzulichten. Ich verstehe es aus tiefstem Herzen: da steht nun die Gruppe Ausgezeichneter, Gewinner, ein Team, ein Paar + Familie sooo schön vom Fotografen hinsortiert… da kann man doch schnell auch ein Foto machen. Kann man. Wenn man möchte, dass auf dem offiziellen Foto einige Leute nicht in die Kamera schauen.
Denn sobald neben der Linse des Fotografen auch noch eine Smartphonekamera hochgehalten wird, verunsichert dass einzelne in der Gruppe. Wo sollen sie auch hinschauen? Zum Fotografen oder lieber doch zu Mutti ins Smartphone? Ersparen Sie der Gruppe vor der Kamera diese Unannehmlichkeiten und lassen den Bildermacher zuerst die Arbeit machen. Helfen Sie gern bei der Positionierung oder dem Zuammensammeln der Leute für das Gruppenbild und sobald der Fotograf seine Bilder im Kasten hat, können Sie mit dem Smartphone ran und haben deutlich bessere Aufnahmen, als wenn Sie nur schnell eins von der Seite machen.

7. BONUS: Ich bin als Redner oder Gast einer Podiumsdiskussion auf der Bühne. Was tue ich, damit währenddessen geschossene Fotos mit mir gut aussehen?

  • Tragen Sie Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen. Bitten Sie eine Begleitung, vorher nochmal zu checken, ob was nicht stimmt (herausstehende Waschmarken, verkrempelter Kragen, Essensreste zwischen den Zähnen, offene Reißverschlüsse/Knöpfe etc.)
  • Nehmen Sie angesteckte Namenschilder ab.
  • Nicht die Arme baumeln lassen, sondern die Hände und Requisiten nutzen, um Aussagen mit Gesten zu unterstreichen.
  • Auf die eigene Haltung achten, verstecken Sie sich nicht hinter Rednerpulten.
  • Bleiben Sie im Licht. Bei größeren Bühnen/Veranstaltungen ist der Boden markiert, in dessen Bereichen Sie optimal ausgeleuchtet sind.
  • Widmen Sie Ihren Blick dem Publikum und nicht so oft der eigenen Präsentation oder gar dem Fußboden.
  • Verändern Sie regelmäßig Ihre Position auf der Bühne. Stehen, anlehnen, aufstützen. So bleiben Sie für die Kamera interessant. ABER:
  • Nicht aufgescheucht immer wieder von links nach rechts laufen.
  • Solange Sie kein Moderator einer Fernsehshow sind und eine Filmkamera vor Ihnen steht: schauen Sie nicht direkt in die Kameralinse.