Tageszeitungen auf dem Tablet – Leipziger Volkszeitung, Sächsische Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung & taz

Tageszeitungen gelten in der Netzgemeinde als ewig Gestrige, haben jedoch überraschend schnell in Tablet-Apps investiert. Mit dem App-Update der Sächsischen Zeitung schließt sich jetzt auch die Lücke im ostsächsischen Bereich. Zeit für einen kleinen Vergleich der Sächsischen Zeitung (SZ) und Leipziger Volkszeitung (LVZ). Der Vollständigkeit halber habe ich die zwei überregionalen Zeitungen die tageszeitung (taz) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) dazugenommen.

Vorab. Ich nutze für die Gegenüberstellung ausschließlich die iOS-Apps, da ich das iPad als Quasi-Standard für digitale Printausgaben sehe und die Hardwarekonfigurationen der Modelle (abgesehen von Displayauflösung und -größe) nahezu gleich sind.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die App startet mit schniekem dunklem Lederhintergrund, auf der durch die letzten sieben Exemplare der Tages- und Sonntagsausgaben gescrollt wird. Die Ausgaben können einzeln oder im Rahmen eines e-paper-Abos erworben werden. Wer bereits das Printprodukt abonniert hat, wird trotzdem für das e-paper zur Kasse gebeten. Mit knapp zehn Euro monatlich ist das nicht gerade wenig. Da trösten auch ein vierwöchiges kostenfreies e-paper-Abo beziehungsweise eine zweiwöchige Gratisnutzung der App nicht sonderlich.

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Die Ausgabe wird beim Start als Faksimile angezeigt. Zoomen funktioniert tablettypisch, geblättert wird durch horizontales Wischen. Ein Fingertipp auf die Pagination offenbart die Navigation sowie Lesezeichenfunktion, Suche und Teilen des Artikels als PDF-Anhang via E-Mail. Löblich. Im unteren Bereich scrollt man durch Miniaturen, die mit Seitenzahlen und Ressortnamen versehen sind. Ein Inhaltsverzeichnis gibt es jedoch nicht.

Ein Fingertipp auf einen Text oder Überschrift öffnet den betreffenden Artikel in der Textansicht. Leider muss auf Beitragsfotos verzichtet werden. Der verwendete Font wirkt zudem etwas altbacken und ist in kleineren Schnitten schwer lesbar. Jedoch können Zeilenabstand sowie Schriftgröße in drei/vier Stufen angepasst werden. Lesezeichen lassen sich auch hier setzen und Artikel via E-Mail als Text weiterleiten. Mittels horizontaler Wischgeste springt man zum nächsten Artikel. Eine Miniaturübersicht fehlt ganz, genauso wie eine Auflistung des Inhaltes.

Pro
• 14 Tage nach Download und Start gratis
• Klick auf Text öffnet jeweiligen Artikel
• weiterleiten der Seiten als PDF per Mail möglich

Kontra
• Aufschlag für Printabonennten
• Einzelartikelansicht altbacken und ohne Fotos
• fehlende Inhaltsübersicht

 

 

Leipziger Volkszeitung

Die App der Leipziger Volkszeitung startet vielversprechend. Zweispaltig gegliedert zeigen sich die Hauptausgabe, Regionalversionen sowie Sonderprodukte. Letztere sind gratis erhältlich. Die eigentliche Tageszeitung lässt sich separat erwerben oder mittels eines e-paper-Abos. LVZ-Vollabonnenten erhalten die Digital-Version kostenfrei. Wochenendabonnenten nicht, auch nicht die betreffenden Einzelausgaben.

lvzapp_screenshotHat man die Zeitung schließlich vor sich, macht sich Enttäuschung breit. Das e-paper präsentiert sich nur als simples PDF-Faksimile. Gezoomt und geblättert wird mit den üblichen Wischgesten. Mehr nicht. Immerhin kann man via Navigation zu einzelnen Ressorts/Seiten springen oder die pragmatische Miniaturenansicht nutzen. Suchen, Artikel empfehlen oder gar Textansichten einzelner Artikel sucht man vergebens. Ein deutliches Armutszeugnis für den Verlag. Schon in Hinsicht darauf, dass die App seit 2011 entwickelt wird.

Pro
• Auch Regionalausgaben erhältlich
• Sonderausgaben und Verlagsbeilagen gratis
• Printabonnenten erhalten Gratiszugang

Kontra
• keine Tablet-Anpassung
• nur PDF-Ansicht
• sämtliche e-paper-Funktionen fehlen

 

 

Sächsische Zeitung

Die SZ-App erfuhr nach einem knappen Jahr ihres Starts ein größeres Update. Die gröbsten Fehler wurden ausgemerzt und die App damit deutlich brauchbarer, als es die Vorversionen waren. Zu begrüßen ist, dass zum Start keine PDF gezeigt wird, sondern eine dem Display angepasste Version der Titelseite. Das nichtdynamische Design erzwingt allerdings das Hochformat. Alle Headlines und Texte verweisen auf die Einzelartikel-Ansichten, die sogar vergrößerbare Fotos mit Bildzeile enthalten. Die Schriftart ist fest eingestellt und der Printausgabe angepasst; die Größe lässt sich aber nicht verändern. Als optisches Hilfsmittel werden bereits gelesene Artikel leicht ausgegraut; dafür genügt es schon, die Einzelansicht nur wenigen Sekunden offen zu lassen.

szapp_screenshotDie Ressorts liegen am unteren Bildschirmrand und werden direkt von da aufgerufen. Eine ausführliche Auflistung des Inhalts lässt sich an selbiger Stelle finden und ist nur einen Fingerwisch entfernt. Die Instantsuche ist zuverlässig – Lesezeichenfunktionen oder Share-Optionen werden dem Leser jedoch vorenthalten. Die gesamte Ausgabe lässt sich natürlich auch als PDF-Faksimile ansehen, die Bedienung beschränkt sich dabei auf Zoom- und Wischgesten. Verlinkt sind die Einzelartikelansichten nicht.

Wer sich jetzt auf seine Regionalausgabe freut, muss enttäuscht werden. Bis jetzt ist in der SZ-App nämlich nur die Dresdener Ausgabe erhältlich. Zudem erhalten Print-Abonnenten die Digitalversion nicht gratis dazu, sondern zahlen eine monatliche wennauch geringe Pauschale. Ein weiteres Minus geht an das Archiv. Es gibt nämlich keins. Sobald die aktuelle Ausgabe geladen wird, verschwindet die vorhergehende auf Nimmerwiedersehen. Eine Sicherung oder Download ist nicht möglich.

Pro
• App in angepasstem eigenen Layout
• Artikelübersicht je Ressort
• vergrößerbare Fotos in Texten

Kontra
• nur Hochformat
• keine Archivfunktion
• nur Regionalausgabe Dresden verfügbar
• Aufschlag für Printabonennten

 

 

taz – die Tageszeitung

Die taz geht mit ihrer Tablet-Ausgabe einen etwas eigenwilligen Weg. Die App läuft über einen textunes-Account mit eigener App. Damit können einzelne Ausgaben ohne Abo gekauft werden und stehen zeitgleich auch am Rechner als PDF und eBook-Format zur Verfügung. Abonnenten erhalten den Zugang gratis.

tazapp_screenshotDie Ausgabe öffnet sich als PDF-Faksimile, durch die wie üblich horizontal geblättert wird. Etwas verwirrend ist hier die Art und Weise der optischen Umsetzung. Die Seite blättert entgegen der Wischgeste nämlich von unten nach oben.

Ebenso ungewöhnlich: Erst ein doppelter Fingertipp auf eine Seite öffnet die Textansicht (ohne Fotos), in der alle Artikel einer Druckseite untereinander stehen. Ein Fingertipp an der oberen oder unteren Bildschirmkante lässt durch die Seite scrollen oder blättert zum nächsten Artikel; etwas verwirrend im Vergleich zur Navigation innerhalb des Faksimiles.

Über die Inhaltsnavigation erhält man jederzeit direkten Zugriff auf die Artikel des Blattes. Die Suche bockt manchmal etwas, verrichtet aber ihren Dienst. Die Texte lassen sich trotz vorhandener Symbole nicht in ihrer Größe ändern, könnten dadurch für Ältere etwas klein wirken. Das Schriftbild erscheint jedoch stimmig und trotz simpler Fonts angenehm lesbar. Ein Lesezeichen wird automatisch beim Schließen der Ausgabe gesetzt. Mehr nicht. Größeren Nutzen bringt der Nachtmodus, welcher die Artikelansicht invertiert und im Dunkeln ein angenehmeres Lesen möglich macht.

Pro
• Titelseitenansicht immer kostenfrei
• Printabonnenten erhalten Gratiszugang
• textunes-Account über verschiedene Plattformen nutzbar
• Nachtmodus

Kontra
• inkonsequentes Blättern zwischen Seiten und Artikeln
• Textgröße nicht anpassbar

 

 

FAZIT

Die aktuelle Ausgabe der Tageszeitung lesen, das funktioniert mit jeder App. So richtig ausgearbeitete Software wie von der ZEIT oder ct darf man allerdings nicht erwarten. Genauso wenig wie multimediale Inhalte. Das höchste der Gefühle sind ab und an mal ein Link. Zumindest beim Handling der Artikel gehen alle vier e-Versionen ähnliche Wege, wobei jeder von ihnen auf seine eigene Weise kränkelt.

Die FAZ-App weckt zu Beginn Erwartungen, die es nicht halten kann. Die Einzelartikelansicht erinnert an die ersten Webdesign-Schritte im Internet, eine Inhaltsführung sucht man vergeblich. Wie die FAZ bittet auch die Sächsische Zeitung ihre Printabonnenten zur Kasse, wenn die das e-paper lesen möchten. Dafür bekommt man immerhin eine an das iPad angepasste Titelseite und Fotos in der Einzelartikelansicht. Das bietet sonst keiner. Lange Freude hat man allerdings nicht daran, ein Ausgaben-Archiv ist nämlich nicht vorhanden.

Die taz geht pragmatisch an die Sache heran. Vieles funktioniert dadurch nicht ganz intuitiv und wirkt unfertig; dafür hat man aber auch am Rechner Zugriff auf seine Downloads. Schlusslicht bildet die Leipziger Volkszeitung, die ihr Produkt nur als simples PDF ohne Zusatzfunktionen anbietet. Da hilft es auch nicht viel, dass es die für Abonnenten gratis gibt.

 FAZLVZSZtaz
ALLGEMEIN
Einzelausgaben kaufen:jajajaja
Gratis für Printabonnenten:neinja (nur Vollabo)neinja
Einkäufe wiederherstellbarjaneinjaja
Inhaltsverzeichnis:nein-ja (Ressort gegliedert)ja
FAKSIMILE
PDF-Faksimile:jajajaja
Blättern durch Faksimile:ja (horizontales Wischen)ja (horizontales Wischen)ja (vertikales Wischen)ja (horizontales Wischen)
Zoom:jajajaja
Faksimile-Klick öffnet Artikel als Text:janeinneinja (nur alle Artikel je Seite)
Miniaturdarstellung:ja (plus Seitenzahlen und Ressort)janeinnein
Übersicht aller Seiten:janeinneinnein
EINZELANSICHT
Artikel-Textgröße:4 Stufen-neinnein
Zeilenabstand:3 Stufen-neinnein
Lesezeichen:ja-neinja (nur eins)
Sucheja (instant)-ja (instant)ja
Teilen:E-Mail-neinnur via textunes am Computer
Blättern durch Artikel:ja-jaja
PREIS
Einzelausgabe1,59 €0,89 €0,89 €0,89 €
Monatsabo via e-paper32,90 €17,00 €17,00 €11,95 €
Monatsabo inApp37,99 €-17,99 €-
Aufschlag für Printabo-Kunden (mtl.)9,90 €-2,70 €-
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Als Leipziger Grafik-Designer, Fotograf und Kameramann blogge ich hier zu Themen meiner täglichen Arbeit. Dazu gibt es auch Beiträge meiner aktuellen Layouts & Gestaltungen, Fotoarbeiten und Videoproduktionen.