Bildbearbeitung für Laien – Bilder bearbeiten, freistellen und optimieren mit wenigen Klicks

 8. August 2017

Immer wieder stolpert man über Tools und Services, welche das Bearbeiten von Fotos gerade für Laien oder mal unterwegs schnell ohne große Bildbearbeitungsprogramme vereinfachen wollen. Damit meine ich nicht die Unmengen an Filterapps für mobile Geräte, sondern Anbieter oder Software, die im Browser, als Mobile-App oder als eigenständiges Programm auf dem Rechner in wenigen Klicks für gute Fotos sorgen wollen und sich auch für mehr als »Nur-mal-ein-Foto-zwischendurch« eignen. Grund genug, um mal einige der Anbieter zu testen.

In meinem täglichen Foto-Workflow nutze ich den RAW-Entwickler Capture One Pro (zu dem ich von Adobe Lightroom gewechselt bin). Mit Capture One entwickle ich die Fotos, exportiere sie und widme mich eventuellen Kleinigkeiten via Photoshop. Für die Tests habe ich statt der RAW-Files die von der Kamera erzeugten JPEGs benutzt, in die Fotodienste hochgeladen und die offensichtlichste automatische Korrektur gewählt. Als Motiv nutze ich ein ordentliches belichtetes Foto mit vielen Höhen und Tiefen (Hotelzimmer), für Level 2 eine schwierig zu bearbeitende Innenaufnahme mit einer deutlichen Mischung aus Kunst- und Tageslicht und eine kontrastreiche Aufnahme eines wolkigen Sonnenuntergangs. 

Die Vorher-Nachher-Fotos habe ich alle zum besseren Vergleich auch ans Artikelende gestellt.

Fotos online bearbeiten mit Fotor, Pixlr oder Photoshop

Für das Bearbeiten von Fotos punkten Online-Tools durch ihre dezentrale Zugänglichkeit. Man benötigt nur einen Browser plus Internetzugang und kann sofort loslegen. Die einzelnen Bearbeitungsfunktionen sind bei jedem Anbieter sehr übersichtlich und daher auch für Laien geeignet, um schnell an ordentliche Ergebnisse zu gelangen. Man wird praktisch an die Hand genommen und da die Bilder zum Bearbeiten hochgeladen werden, kann auch nichts am Originalbild kaputtgehen. 

Den besten Funktionsumfang bot immer noch Pixlr mit seiner gut ausgestatteten Editor-Version. Die abgespeckte Express-Version verhilft auch unerfahrenen Nutzern zu vorzeigbaren Ergebnissen. Leider benötigt das Online-Tool den Flashplayer und ist daher eigentlich nicht mehr zu empfehlen. Selbiges Spiel beim recht leicht benutzbaren Adobe Photoshop Editor. Machbar nur mit installiertem Flashplayer. Obsolet.

 

Ein Stückchen weiter ist der ebenso kostenfreie Dienst Fotor und hat seine Flashvariante mittlerweile ersetzt. Mit der neuen Version arbeitet es sich erstaunlich gut. Das Hochladen geht flott und das ordentlich belichtete Foto kommt bereits mit der Autokorrektur nahe an meine eigene Bearbeitung heran. Das schwierige Innenfoto ist ganz ok und nach der manuellen Korrektur des Weißabgleichs vorzeigbar. Beim Strandfoto dagegen stößt die Autokorrektur an seine Grenzen. Mit den anderen Reglern, kann aber noch hier und da an den Einstellungen gedreht und die Aufnahme gepimpt werden.

Desktop-Version Photolemur

Wer das Arbeiten im Browser nicht mag und lieber alles allein auf seinem eigenen Recher haben möchte, muss auf schnelle Anpassungen nicht verzichten. Meine Wahl für einen Test fiel hier auf Photolemur, dass sehr aggressiv in meiner Facebook-Timeline beworben wurde. Ein kostenloser Test ernüchterte. Das auf dem Mac gut 300MB dicke Programm bietet wirklich ausschließlich eine Autokorrektur an. Nicht mehr und nicht weniger. Nach einer verspielten Vektoranimation präsentiert sich ein eher mageres Ergebnis: Mikrokontraste, Schärfe und Sättigung sind gesteigert, aber oft stimmen die Farben nicht und die Bilder wirken immer noch etwas flau.

 

Die Optimierungen sind bei Photolemur sehr dezent und entfalten ihre Wirkung eher auf bereits sehr guten oder bearbeiteten Fotos, denen noch das gewisse Etwas fehlt. Oft wirken die Ergebnisse deutlich überschärft. Ob einem das 30$ wert ist, muss jeder selbst entscheiden, zumal die anderen Anbieter kostenfrei sind. Da Photolemur eine Gesichtserkennung besitzt, musste ich natürlich auch gleich mal ein Portrait durchlaufen lassen. Portraits sind bereits durch das Lichtsetting während des Shootings ausgewogen belichtet. Hier liefert Photolemur auch prompt ein sehr akzeptables Ergebnis, das Foto wirkt lebendiger. Dasselbe Foto autokorrigiert bei Fotor wird dagegen deutlich ausgebrannt und übersättigt.

App-Versionen Photoshop und Lightroom

Die beiden Big-Player in der Bildbearbeitung sind natürlich auch als App erhältlich. Die iOS-Apps nutze ich beide öfter, da ein direkter RAW-Import möglich ist. Die Lightroom-App richtet sich mit seinem Umfang eher an die frickeligen Bearbeiter, darum lasse ich die mal außen vor, zumal die App nach dem neuen Update etwas an Form verloren hat.

Ich lud meine Fotos für diesen Test deshalb in die Photoshop Express App (mit kostenlosem Adobe-Konto nutzbar) und klickte einfach mal auf den Zauberstab. Und war da echt überrascht. Am besten schnitt die Autokorrektur bei dem Hotelzimmerfoto ab. Braucht man kaum noch was zu machen. Am schwierigen Foto des Sandsteinraumes scheiterte die Automatik jedoch, hier muss manuell justiert werden. Auch das Strandfoto blieb noch etwas flau und wurde nur schwach korrigiert.

 

Fotomotive freistellen

Das Freistellen von Motiven ist seit jeher nicht wirklich die beliebteste Arbeit bei der Bildbearbeitung. Mit Photoshop erzielt man zwar optimale Ergebnisse, die aber auch Zeit kosten. Zum Glück stehen dafür externe Anbieter bereit, die solche Arbeit übernehmen. Vollautomatische Freistellungswerkzeuge wie zum Beispiel ClippingMagic erzielen mit wenigen Klicks erstaunliche Ergebnisse zu einem sehr fairen Preis. Gerade für Produktfotos kleiner Onlineshops oder ebay Kleinanzeigen optimal. Wer es ganz professionell will, dem empfehle ich Picstar24, deren Service ich übrigens auch bei komplexeren Motiven selbst nutze. Über Nacht liefert der Dienst professionelle Freistellungen auch von sehr schweren Motiven wie Haaren oder Glas (mit Transparenz). So ein umfangreiches Motiv kostet zwar locker mal 11 Euro, die gesparte Zeit ist das jedoch echt wert.

Fazit

Bildbearbeitungsprogramme im Netz können natürlich keine Wunder vollbringen und sind von ihrer Funktionalität deutlich eingeschränkt. Um kleinere Mengen an Fotos aufzupolieren, Farben anzupassen, kleinere Makel zu entfernen oder Effekte hinzuzufügen, sind sie optimal. Wer die Bearbeitungsfunktionen von instagram kennt, kann sich ungefähr vorstellen, was mit den Online-Werkzeugen mindestens möglich ist, in fast alle Fällen ist es deutlich mehr. Meine Empfehlung für den Desktop/Browser liegt eindeutig bei der sehr guten Autokorrektur von Fotor.

Bei nicht so gelungenen Fotos oder großen Mengen stößt man allerdings sehr schnell an die Grenzen der Online-Dienste und ist bei Desktop-Programmen wie Gimp und Pixlr (kostenlos), den günstigen Cloudabos von Adobe oder aufgebohrten Apps fürs Tablet besser aufgehoben. Die automatische Korrektur funktioniert hier auch deutlich besser als bei deren Online-Pendants. Mein Liebling ist hier Photoshop Express auf dem iPad, mit dem man in nur wenigen Klicks brauchbare Ergebnisse erhält. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Leipziger Grafik-Designer, Fotograf und Kameramann blogge ich hier zu Themen meiner täglichen Arbeit. Dazu gibt es auch Beiträge meiner aktuellen Layouts & Gestaltungen, Fotoarbeiten und Videoproduktionen.