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Vom Trödelmarktfund zur Gigapixel-Datei: Leipziger Stadtplan von 1964

Gepostet am Donnerstag, 9. Februar 2017 in Feature, Layout & Typo

Über zwei Jahre sind vergangen, dass mir zufälligerweise auf dem AGRA-Trödelmarkt in Leipzig ein alter Leipziger Stadtplan in die Hände fiel. Das gute Stück ist über 50 Jahre alt und war zu interessant, um es als heimlichen Schatz zu horten. Nach einem Jahr hatte ich endlich mal die Muße, das fragile Papierwerk zu digitalisieren.

Stück für Stück fotografierte ich die Segmente der Karte, die schon beim bloßen Hinsehen in ihre Bestandteile zerfielen, und setzte Vorder- und Rückseite am Rechner zu einer großen Karte zusammen. Bisschen überlappt es teilweise aber das ist noch verkraftbar finde ich. Und wieder ein Jahr später – heute – generierte ich ein GigaPixel-»Panorama« daraus, in dem man hübsch rumscrollen und reinzoomen kann. 16.519 x 12.197 Pixel sind zwar »nur« bisschen mehr als 0,2 Gigapixel. Aber reicht ja eigentlich aus. 

Inhaltlich ist bei der Karte nicht nur die Stadtbebauung interessant. Vielmehr sind es Details, wie die liebevollen Illustrationen an den Rändern, die ordnungsgemäße russische Übersetzung in der Legende und das Straßenbahnnetz mit Tramnummern bis zur 30! 

Die Karte ist in viele Segmente gestückelt und lädt erst bei Vergrößerung nach. Gesamt sind es um die 70MB. Javascript wird zum Ausführen des Viewers benötigt.

Edit: Im Nahverkehrsforum Leipzig gab es von Klaus Nobis (HAVAG) die Info, dass der Stadtplan wohl eher den Jahren 1970/71 zuzuordnen ist. Vielen Dank für den Hinweis.

„…Nach gründlichem Durchschauen stellte ich fest , der Stadtplan ist erst von ca. 1970 / 71 !
Hier ist das Straßenbahnliniennetz ab 1.01.1970  zu sehen.
Die Linien 8 , 9 , 12 , 18 , 19 und 23 sind zwischen 01.06. und  01.11.1969 eingezogen worden.
Die Linie 25 hat schon den veränderten Linienlauf – wie er am 01.06.1969 eingerichtet wurde.
Und die Linie 15 fährt noch nach Liebertwolkwitz , womit aber am 28.06.1971 auch Schluss war.
Seither endet sie ja in Meusdorf. Die Linie 2 fuhr noch bis 1974 nach Engelsdorf , danach nur noch bis Paunsdorf. Die 14 , 25 und 30 entfielen dann erst ab 1973 und die 3 und 7 ab 1975!…“

Warum Grafikdesigner so selten ans Telefon gehen

Gepostet am Donnerstag, 15. Dezember 2016 in Feature, Layout & Typo

Ich weiß, es treibt einige Auftraggeber in den Wahnsinn. Nur die eine kleine minimale Änderung schnell telefonisch durchgeben und dann geht der ver!%§$&%§/te Grafiker nicht an sein klingelndes Rechteck. Doch das vehemente Ignorieren des Klingeltons beziehungsweise dessen Lautlosstellen hat bei mir einen nachvollziehbaren Grund.

Sobald ich vor einem Design oder Layout sitze, benötige ich keinesfalls absolute Ruhe. Das wird oft missverstanden. Ich bin keine hochsensible Krawallmimose, die nur in umschnürender Stille arbeiten kann. Das einzige was ich benötige, ist eine konstant ablenkungsfreie Arbeitsumgebung. Das kann durchaus Stille sein, lieber ist mir aber laute oder leise Musik, Baustellen- oder Kindergartengeräusche, Großraumbürogebrabbel oder was auch immer. So kann ich mich schnell in Layoutideen verspinnen.

Denn bei Grafikarbeiten wird in der Entstehungsphase eines Design nicht einfach handwerklich so probiert bis es endlich passt; vielmehr entstehen die Ideen im Kopf. An denen hangelt man sich entlang, bis sich eine Vision kristallisiert, die sich mehr und mehr verfestigt.

Was passiert, wenn man Grafikdesigner bei der Arbeit unterbrichtEs setzt eine Art Flow ein, in dem ich getrieben von meiner Idee einfach losarbeite. Der Motor im Kopf dreht auf Hochtouren und liefert auf der Basis immer mehr an Input, der innerlich abgespeichert, oft verworfen aber auch wieder hervorgekramt wird, um dem Ziel näher zu kommen. Es entsteht ein gigantisches auf sich selbst aufgebautes Ideenkonstrukt, auf das ich gedanklich beliebig zugreife, es verändere und die Essenz in mein Layout einfließen las… RRIINNGG!!! RRIINNGG!!

Jetzt wackelt das fragile Konstrukt, es fällt schwer, dessen Stabilität zu wahren, die ersten Elemente verflüchtigen sich und mit einem lautem POFF ist da nur noch Leere. Diese eine erschreckende Leere, die ein Sitzender verspürt, dessen Stuhl weggezogen wurde und der sich in den Sekundenbruchteilen der Schwebe bewusst wird, dass er gleich auf den harten Boden schmettert. 

»Ein unangekündigter Anruf bei einem Kreativen kostet den nicht nur wertvolle Arbeitszeit…«

Es gab Zeiten, da bin ich danach völlig entnervt ans klingelnde Telefon gegangen, habe mir maulend halböhrig (und damit wenig Sympathie sammelnd) die Gegenseite angehört, um danach mindestens 30 Minuten zu brauchen, mich wieder in meine Idee reinzufitzen. Zu 99 Prozent eine vergebliche Mühe: Der kreative Fluss ist dahin und das Projekt muss vorerst beiseite gelegt werden. 

Ein unangekündigter Anruf bei einem Kreativen kostet den also nicht nur wertvolle Arbeitszeit, sondern zerstört zuverlässig seine Designidee, die so schnell nicht wiederherzustellen ist. Auf Kosten des Auftraggebers, der hörbar die Augen verleiert, wenn er mit der Wahrheit konfrontiert wird: »Ich hatte einfach noch nicht die richtige Idee«. Dasselbe passiert übrigens Webdesignern und Programmierern, die ebensolche komplexen Konstrukte und WasWäreWenn-Code-Denke in ihren Köpfen haben. Einmal von der Seite ansprechen oder ein Telefonklingeln und alles ist im Eimer. 

Aus diesem Grund wird vielleicht ein bisschen nachvollziehbar, warum ich meine Telefone während Arbeitsphasen auf lautlos stelle, auch auf Außeneinsätzen übrigens. Es ist kein böser Wille und kein Aussperren. Ich bearbeite zu diesem Zeitpunkt nur ablenkungsfrei ein Projekt, deren Fertigstellung ich nicht gefährden lassen möchte. Hauptsächlich konzentriere ich meine geschäftliche Kommunikation daher auf den E-Mailverkehr. Hier schaue ich regelmäßig rein, antworte deutlich zügiger (auch von unterwegs). Rufe natürlich auch zurück, vereinbare Telefontermine oder treffe mich auf einen Kaffee. Ablenkungsfrei und zu 100% auf den Auftraggeber und seine Projekte konzentriert.

Schriftgröße und Zeilenhöhe für die Thunderbird Ordnerliste individuell anpassen

Gepostet am Montag, 30. Mai 2016 in Layout & Typo

Thunderbird lässt sich seit Jahren relativ leicht an eigene Bedürfnisse anpassen, kommt mit großen Mailarchiven sowie unzähligen Konten gleichermaßen klar und bietet dank ordentlichem Plugin-Pool einen integrierten Kalender und Microsoft-Exchange-Support.

Trotz höherer Bildschirmauflösungen hatte ich nun aber mehr und mehr mit der wachsenden Kontenleiste und seinen zahlreichen Unterordnern zu kämpfen. Der standardmäßig voreingestellte Zeilenabstand und Schriftgröße trugen zwar zur Lesbarkeit bei, verschwendeten aber amtlich Platz. Mit Thunderbird Version 45 wurde die Zeilenhöhe und Schriftgröße jetzt aber wirklich unzumutbar.

Abhilfe schaffen ein paar CSS-Schnipsel, die Thunderbird sagen, wie groß die Schrift in der Kontenleiste sein darf und welche Zeilenhöhen die einzelnen Einträge haben sollen. Damit das ohne großes Gefummel mit userChrome.css einzurichten geht, empfehle ich das Plugin Stylish. Einmal installiert, lässt sich damit direkt das Aussehen von Thunderbird beeinflussen. Änderungen wirken sich sofort aus und können so schnell geprüft und probiert werden.

Für Thunderbird unter Mac OS X sind es zwei Styles, die relevant sind, um die Zeilenhöhe sowie Schriftgröße der Kontendarstellung und Nachrichtenliste anzupassen. Einfach einen neuen Style in Stylish anlegen und die folgende Zeilen einkopieren, sichern und fertig.

#folderTree > treechildren {font-size: 7.5pt; font-family: Arial !important;}
#threadTree > treechildren {font-size: 11px; font-family: Arial !important;}
#folderTree > treechildren::-moz-tree-row {margin-bottom: -2px !important;}

Zeile 1 legt die Schriftgröße der linken Ordnerliste fest, Zeile 2 tut dasselbe für die Nachrichtenliste. Damit sind überbreite und abgeschnittene Ordnernamen angenehm sichtbar. Zeile 3 sorgt schließlich dafür, das sich der Zeilenabstand in der Ordnerliste verringert und eindeutig mehr Inhalte in die Leiste passen. Das Resultat im Vorher-Nachher-Screenshotvergleich:

Thunderbird Zeilenabstand in der Seitenleiste

Schnell mal einen Flyer gemacht

Gepostet am Montag, 23. Mai 2016 in Layout & Typo

Flyerdesign für die Schlossparty 2016Einer meiner langjährigsten Kunden aus dem Veranstaltungssegment versorgt mich seit über zehn Jahren mit frischem Futter für das Gestalten von Partyflyern. Während des Designs für sein aktuelles Open-Air-Projekt ließ ich nun einfach mal einen Screencast mitlaufen, um auch selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange man wirklich an so einem Layout sitzt.

Herausgekommen ist ein zweiminütiger Zeitraffer zu einem Flyerlayout vom leeren Dokument bis zur finalen Vorderseite. Der gesamte Flyer ist übrigens ein 12seitiges Leporello und dessen Fertigstellung hat natürlich noch etwas länger gedauert. Das Bild des Paares hatte ich vor dem Mitschnitt in Photoshop freigestellt; und auch die Maße und Farbe des Flyers standen bereits als feste Basis der Veranstaltungsreihe fest. So beschränkte sich das Probieren nur auf die Wahl der geeigneten Schrift (was ich im Video stark gekürzt habe) und das Anordnen der Elemente. Nach einigen Änderungen und Gebastle kam dann doch was recht Vorzeigbares raus.

[vimeo id=“155282275″]

Herzensprojekt: Konzept & Umsetzung der Fotoausstellung zum Wave-Gotik-Treffen Leipzig

Gepostet am Dienstag, 17. Mai 2016 in Feature, Layout & Typo

Wave Gotik Treffen Leipzig Flyerlayout

Manche Grafikkonzepte wachsen einem schon beim Lesen der ersten Sätze der Auftragsanforderungen ans Herz. Oft sind es nicht mal die von langer Hand geplanten Projekte, sondern die eher unerwartet reinschneienden, kurzfristigen Anfragen, die oft mit einer Einleitung beginnen: »Daniel, kannst Du auch…?«. Ich bin meistens der Letzte, der bei sowas Nein sagt. Neues reizt mich eben. Und so war es auch zur Fotoausstellung im Hauptbahnhof Leipzig anlässlich des 25. Wave-Gotik-Treffens.

Die anfangs überschaubar wirkende Idee »Fotoaustellung« wurde schnell zur großen Konzept- und Layoutaufgabe. Denn als es darum ging, die komplett weißen Ausstellungsstelen WGT-tauglich zu machen und nicht nur einfach Bilder aufzuhängen, war Nachdenken angesagt. Grafisches Design und die Aufbauten sollten sich gegenseitig ergänzen und im lebhaften Publikumsverkehr des Shoppingcenters im Hauptbahnhof sowohl auffallen als sich auch harmonisch integrieren.

Layouts für 60 Ausstellungsstelen = 5 GigaByte

Wave Gotik treffen Fotoausstellung PrintsDarum gestaltete ich für die 60 Ausstellungsstelen kurzerhand komplette zweieinhalb Quadratmeter messende Layouts. Allein die Druckdaten dafür wogen knappe 5 GB. Der durchgehende Mauerhintergund als kleinster gemeinsamer Nenner in der Wave-Gotik-Szene wurde je Layout mit zweisprachigen WGT-Infos und natürlich den Fotografien der Bildermacher bestückt. Die größte Herausforderung wartete allerdings bei den Motiven von Fotografenlegende Gerd Lehmann. Seine zehn Gestus-Kalender wollten wir jeweils mit Titel, Erklärblatt und zwei Innenseiten abbilden. Da es zu den Blättern (1997-2007) keine verwendbaren Druckdaten gab, blieb nur der Weg, die einzelnen Exemplare zu digitalisieren. Das klingt einfacher, als es letztlich war.

40 Kalenderblätter digitalisieren

Einen Scanner zu nutzen, fiel wegen Ausmaß und welliger Oberfläche der Kalender weg. Darum fotografierte ich die Gestus-Stücke einfach mit einer senkrecht installierten Kamera Blatt für Blatt ab. Indirekte Beleuchtung, ein vorgefasster Pol-Filter und eine gut geschlossenen Blende vermieden Reflexionen auf den schwarzen Blättern und sorgten für eine nahezu 1:1 Abbildung in der nötigen Schärfe. Schritt zwei war die Nachbearbeitung der sehr spitzkörnigen Motive, die nach der Anpassung an das Ausstellungslayout nicht verwaschen wirken sollten. Nach zwei Schärfeprozessen in Photoshop entsprach das Ergebnis nahezu dem Original und überzeugte auch Meister Lehmann.

wavegotiktreffen_fotoausstellung_hauptbahnhofleipzig_2016_02Zwischenzeitlich sorgten die Malldesigner der Promenaden für Druck und Aufbau; der zweite große Teil der ganzen Arbeit. Schwarzer Teppich bedeckt den Boden in den Bereichen der Ausstellung und natürlich schlüpften auch die Kleiderpuppen in passende Goth-Outfit. Die stellte DarXity Leipzig freundlicherweise als Leihgabe zur Verfügung. Das und zusätzliche Straßenlaternen plus Bänke in viktorianischem Stil machen die Ausstellung rund und geben den ausgestellten Fotografien einen würdigen Rahmen.

In 40 Tagen vom Konzept zur fertigen Ausstellung

wavegotiktreffen_flatmedia_hauptbahnhofleipzig_2016Drumherum gab es dann natürlich noch ein umfangreiches Paket an Marketingmaßnahmen: von Werbespots auf STRÖER-FlatScreens und Fahrgast-TV im Leipziger Nahverkehr über gedruckte Werbemittel bis hin zur Vermarktung der Ausstellung in den SocialMedia-Kanälen. Das Ende März begonnene Projekt endete quasi mit der Vernissage am 6. Mai. In einem Rekordtempo von nur 40 Tagen. Das kann man schonmal machen, zumal auch meine eigenen Ergebnisse ausgestellt sind. Ich war zum 2015er WGT nämlich als Fotograf in Leipzig unterwegs und habe einige fantastische Outfits einfangen können.

Nachtrag: Alle Motive wurden zum Abbau der Ausstellung zum Kauf angeboten und waren innerhalb von zwei 2 Stunden ausverkauft. Der Erlös geht an gemeinnützige Vereine in Leipzig.

Die ungeliebte Kreativwirtschaft in Leipzig

Gepostet am Mittwoch, 13. Januar 2016 in Nur so

leipzig_pano_kreativwirtschaft_grafikdesign

Mittlerweile bin ich lange genug in Leipzig aktiv, um zu bemerken, dass die Kreativwirtschaft in den letzten Jahren einen kleinen Aufschwung erlebt. Gerade der Mittelstand investiert öfter in Werbemaßnahmen und auch größere Unternehmen schauen sich mal in Leipzig um. Doch sobald man sich die kommunale Ebene näher ansieht, wird die Luft dünn.

Sehr offensichtlich wird dieser Umstand mit dem neuen Markenauftritt der Stadtwerke. Großes L überall, die Selbstbeweihräucherung ist aktiviert und als Nebenzeile muss man lesen: umgesetzt von einer Berliner Agentur (Artikel bei der L-IZ). Immerhin wurden als Feigenblatt drei Kreativagenturen aus Leipzig geladen.

Mal davon abgesehen, dass die mit ihren Ideen nicht den Kern trafen (was wiederum auf ein löchriges Auftraggeber-Briefing schließen lässt), frage ich mich, warum es generell nur drei ins Rennen schafften? Ich glaube kaum, dass andere Leipziger Agenturen so schlecht gewesen sein können oder der Preis ausschlaggebender Faktor war. Ich denke, viel wichtiger war der Aspekt, dass es doch deutlich öffentlichkeitswirksamer ist, sich mit einer Agentur schmücken zu können, die unter anderem die gelben und rosa Riesen oder die Bundesregierung als Kunden betreut und auch in den USA, China und Schweiz Außenstellen besitzt.

Wer trifft eigentlich generell die Entscheidung, welche Agentur am Pitch teilnimmt? Wird da recherchiert, wer was bisher wie gemacht hat und für die eigene Markenidee am besten infrage kommt oder wird nur blind auf eine Agenturliste getippt? Oder werfen die Verantwortlichen nur eine Ausschreibung in die Arena und gucken mal so, wer sich denn da so meldet? Ich habe da ehrlich gesagt keine Ahnung. Als Vorauswahl-Juror angedeutet wird der mit Preisen überhäufte Uni-Professor Ansgar Zerfaß, der aber auch nicht soviel vom Stil Leipziger Agenturen Ahnung zu haben scheint, wenn es bei deren Auswahl so einen – aus Sicht der Leipziger Gruppe – Fehlgriff gab. Vielleicht hätte man sich noch Berater der Kontaktstelle Kreativwirtschaft oder Kreatives Leipzig ins Boot holen sollen? Hat man das vielleicht gar? Oder ging es der Holding auch hier wirklich wieder nur darum, sich im Schein anderer zu sonnen? Einen Kommunikations- und Medienwissenschaftler in der Markenplanung hat ja auch nicht jeder vorzuweisen.

Viele Euros gehen nach Berlin

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Screenshot LVB Facebook

Aus dem Stegreif fallen mir locker fünf Leipziger Unternehmen ein, die dieses Projekt in identischer Qualität erdenken und umsetzen hätten können, schon allein wegen des Heimvorteils. Nur nochmal zur Verdeutlichung: wir sprechen hier von einer Million Euro für die Entwicklung und Umsetzung des neuen Markenauftritts (Auf der LVB-Facebook-Seite ist von einer halben Million die Rede). Die wanderten nun natürlich nicht in Gänze nach Berlin, hätten doch aber komplett in Leipzig bleiben können. Für die hiesige Kreativbranche bleibt jetzt nur/immerhin der Rest, der großzügig mit »95 Prozent der Kosten« (genauer gesagt der folgenden Kosten) betitelt wird. Pure Augenwischerei. Dass die Umsetzungsaufträge auf jede Menge Agenturen aufgeteilt werden und bei der Vergabe eher der Preis eine Rolle spielen wird, als inhaltliche Kreativität, schwebt als Mutmaßungsblase im Raum. An die durch die neue Dachmarke eingesparten 3 Millionen Euro Werbeausgaben der vier Subunternehmen (Beitrag bei Sputnika), die hiesige Agenturen in den folgenden Jahren auch treffen dürften, gar nicht mal zu denken.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Dass die Umsetzung so großzügig in der Region bleibt, ist natürlich begrüßenswert und hat vielen Städten etwas voraus. Es sichert vielen Kreativen ihr tägliches Brot und je mehr Aufträge lokal bleiben desto besser. Aber imgrunde sollte die Wahl einer regionalen Firma für ein hiesiges stadtnahes Produkt außer Frage stehen; und bei all dem Geld darf man eines nicht vergessen: Leipziger Agenturen möchten sicherlich nicht nur Dienstleistungs- und Umsetzungsknechte sein, sondern auch gern einen entwickelten Markenauftritt zu ihrem Portfolio zählen dürfen, der weitere Aufträge und damit Geld reinspült. Geld, das den Mitarbeitern zu Gute kommt, die auf die eine oder andere Art Kunde der unter der Holding vereinten Unternehmen sind. Sei es als Bahnfahrer, Stromkunde oder einfach nur Steuerzahler.

Und die Stadtverwaltung?

Immerhin bemüht sich die Stadt Leipzig mit ihrer Kontaktstelle Kreativwirtschaft, den Schaffenden eine Plattform zu geben und den Rücken zu stärken. Das erfolgreiche Mittelstandsförderprogramm wird 2016 beispielsweise fortgesetzt. Die gute halbe Million ist ein nützlicher Ankurbler für kleine Unternehmen und für die Kreativbranche ein hilfreiches Verkaufsargument bei Kleinprojekten. Allerdings reißt die Stadtverwaltung hinten ein, was sie vorn so schön aufbaut. Denn ein Verständnis für Kreative und deren Arbeit existiert innerhalb der Verwaltung eher selten.

Da gibt es beispielsweise kurzfristige hochvolumige Ausschreibungsanfragen, wo innerhalb weniger Tage Konzept, Entwurf und Preisangebot verlangt werden (immer öfter als Gratis-Vorableistung ohne Aufwandsentschädigung). In dem utopischen Fall, dass man das schafft und auch noch den Zuschlag erhält, wird auf Fertigstellung innerhalb weniger Wochen gedrängt. Erhält man keinen Zuschlag, hat man amtlich Zeit verplempert. Übrigens der Grund, weshalb ich nicht an solchen Pitches, Wettbewerben und Ausschreibungen teilnehme.

Stärker tritt in letzter Zeit hervor, dass für zeitaufwändige Grafikproduktionen, die gut und gerne mehrere Wochen reine Nettoarbeitszeit benötigen, nur die Bereitschaft besteht, einen Bruchteil der wirklichen Arbeitskosten zahlen zu können und zu wollen. Denn bereits bei der Budgetplanung wird am Kreativpart gespart. Da wird dann für immer weniger Geld immer mehr Leistung verlangt. Das treibt die Branche geradewegs in die Selbstausbeutung und imgrunde unter den Mindestlohn. Denn wessen Auftragslage nicht blüht, kann sich den Luxus nicht leisten, solche Aufträge abzulehnen, und muss sich wohl oder übel auf diese Preiskämpfe einlassen. Und wie das Ergebnis aussieht, will man sich gar nicht vorstellen.

Bleibt nur zu hoffen, dass mit dem Wachsen von Kreatives Leipzig und anderen Kreativverbänden vielleicht auch irgendwann mal die Lobbyarbeit zugunsten der Branche erstarkt, sich kommunal gezielter mit hiesigen Agenturen und ihren Stärken beschäftigt wird und bei der Vergabe/Ausschreibung von Kreativaufträgen etwas mehr Realismus einzieht.

Eins möchte ich noch hinzufügen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Ich gönne dem Berliner MetaDesign-Büro den Zuschlag. Das Konzept ist schlüssig; Symbolik und Layout kann man zwar nicht als DIE Neuerfindung einer designten Marke in einem Stadtwerke-Umfeld bezeichnen, ist aber zumindest ordentlich umgesetzt. Der Knackpunkt ist auch nicht, wieviele Gelder nach Berlin geflossen sind. Ich befürchte nur, dass der Zuschlag eines kommunalen, stadtnahen Unternehmens an eine nicht in Leipzig ansässige Agentur falsche Signale nach außen sendet und ein schlechtes Licht auf unsere Kreativbranche wirft. Denn wenn schon hiesige Unternehmen nicht auf Leipziger Agenturen vertrauen, warum sollten es dann welche von anderswo?

Jahresrückblick 2015

Gepostet am Mittwoch, 30. Dezember 2015 in Layout & Typo

2015 war turbulent und bunt. Neben vielen interessanten Grafikdesign-Projekten, haben sich die Hobbys Kameraarbeit, Videoschnitt und Fotografie mittlerweile als fester Bestandteil meines Portfolios etabliert. Anfangs ganz pragmatisch unterstützend zu meiner bisherigen Arbeit, um für Broschüren, Plakate oder Flyer noch schnell eine Lokalität ablichten oder ein Produkt in Szene setzen zu können. Mit der Zeit kristallisierte sich jedoch heraus, dass ich auch ganz gut mit Menschen kann. Darum bin ich auch öfters für Fotos in Unternehmen, auf Veranstaltungen oder Vorträgen unterwegs.

Auf die übliche Werkschau des Jahres verzichte ich mal. Es gab einfach zu viele schöne und mir ans Herz gewachsene Projekte, als das sie alle würdige und gleichberechtigt Platz finden würden. Darum lieber sehr interessante Höhepunkte zu zwei meiner ältesten Kunden:

Kulturfabrik Hoyerswerda

Alles neu: neues Café in neuer Kulturfabrik.

Alles neu: neues Café in neuer Kulturfabrik.

Meine alte Heimat, die Lausitz, spielt noch eine feste Rolle. Genauer gesagt das Soziokulturelle Zentrum Kulturfabrik. Kein Auftraggeber im herkömmlichen Sinne, da ich den Großteil meiner Grafikarbeiten dort ehrenamtlich leiste. Aber eine schöne Spielwiese seit mittlerweile 15 Jahren.

Seit Anfang 2000 betreue ich die Website des gemeinnützigen Vereins, was sich in späteren Jahren auch auf die Gestaltung von Drucksachen und Tochter-Websites ausdehnte und eine feste Freundschaft entstehen ließ. Kurzum, die Kulturfabrik zog nach über 17 Jahren Fördermittelsammeln von der Zwischenbelegung an ihren zentralen Platz in die Stadtmitte zurück. Lang genug hat es gedauert, aber dafür hat der Verein, der die Stadt kulturell und in Sachen Kinder- und Jugendarbeit maßgeblich am Leben hält, endlich wieder seinen ihm würdigen Platz zurück.

Geehrt. Nicht wegen Grafikdesign aber wegen seiner Küche: der Westphaelnhof.

Geehrt. Nicht wegen Grafikdesign aber wegen seiner Küche: der Westphalenhof.

Restaurant Westphalenhof

Auch das Hoyerswerdaer Restaurant Westphalenhof reiht sich in die Riege »ältester Stammkunde«. Mit zarten 20 Jahren fragte mich Ende der Neunziger der Nachbarssohn nach einer Website für das Restaurant seiner Eltern. Mittlerweile übernahmen er und sein Bruder das Restaurant in der Lausitz und treiben es auf die Spitze: Der Restaurantleitfaden Gault & Millau ehrt den Westphalenhof mit der Erwähnung in Ausgabe 2016 und einer Kochmütze. Yeay.

Damit habe ich zwar direkt nichts zu tun, freue mich aber, seit fast 20 Jahren den kreativen Rahmen für die kulinarischen Erlebnisse zu schaffen: Erscheinungsbild, Speisekarten, Werbemittel, Fotos und natürlich die Website, die ab 2016 übrigens aufgehübscht wird.

Und 2016?

Neben meiner Basis, dem Grafikdesign im Print- und Onlinebereich, werde ich mich etwas mehr der Videosparte im Leipziger Raum widmen. 2015 gab es da ja bereits sehr interessante Projekte, die ich mit meinen freien Partnern umgesetzt habe. Und der kurze Zeitraffer/Foto-Teaser zum 100jährigen des Leipziger Hauptbahnhofs war dann doch bisschen schon die Krönung:

Erfolgsrezept aus Hamburg: Gadget Night in Leipzig

Gepostet am Mittwoch, 4. November 2015 in Foto & Video, Nur so

Zugegeben liest man hier in letzter Zeit öfter über Fotogeschichten, als zu meinem eigentlichen Kerngebiet, dem Grafikdesign. Aber das muss ich hier einfach loswerden: Denn neben dem ganzen Startup-, Webworker- und Mediendingsbums in Leipzig gibt’s jetzt mal was Hübsches für Techniknerds. Die in Hamburg ansässige Gadget Night zieht es nämlich mit ihrer 17. Auflage am kommenden Freitag nach Leipzig in den neuen digital republic popup store.

Als eine Art nerdiges Biotop will sie technikverliebten Menschen einen Rahmen bieten, um sich mit ebensolchen Gadgetliebhabern auszutauschen. Frei nach dem Motto: «Zeigst du mir deins, zeig ich dir meins». Also auch so bisschen mit Angeben und so. Wie damals auf dem Schulhof. Aber in der Erwachsenen-Version. Da ich nicht der Mega-Smalltalk-Meister bin, werde ich dort (offiziell von der Gadget Night supportet) mit meinem Spielzeug auftauchen und die Zeit nutzen, ein paar interessante Gadgets mit oder auch ohne ihre Besitzer ablichten. Start ist 19 Uhr in der Grimmaischen Straße 9 – 11 in Leipzig und es gibt sogar ein paar Freigetränke für die ersten.

» Rückblick auf den Abend
» Fotogalerie

Geschenkt: Texturen und Pattern als Hintergründe für Layout-Projekte

Gepostet am Montag, 26. Oktober 2015 in Feature, Foto & Video, Layout & Typo

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Basis bei einem Großteil meiner Gestaltungen sind hinter die Layouts gelegte Texturen. Dezent als Hintergrund geben sie Struktur und festen Halt für alles was drauf kommt. Oft greife ich auf Texture- und Patternsets aus Designsammlungen zurück, halte aber derzeit immer öfter nach eigenen Motiven Ausschau. Die besten habe ich jetzt mal in einer ZIP-Datei gesammelt. For free. Gratis.

Das Archiv und dessen Inhalte unterliegen wie immer der Creative Commons Lizenz (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported). Die Bilder haben jeweils eine Größe von 4.000 x 2.670 Pixeln und liegen im sRGB-Farbraum vor. Das sollte für die meisten Zwecke völlig ausreichend sein. Der Inhalt des ZIPs ist weiter unten in der Vorschau-Galerie zu sehen.

Download des ZIP-Archivs hier (164 MB)

Wer Gefallen an den Texturhintergründen findet und sie vielleicht sogar in seinen Layouts oder als Texture, Wallpaper etc. nutzt, der kann liken, plussen, teilen oder freut sich einfach still und leise für sich.

Creative Commons Lizenzvertrag

Artworks und Fotos für TEDxHHL Leipzig im Werk 2

Gepostet am Dienstag, 6. Oktober 2015 in Feature, Layout & Typo

tedx_hhl_leipzig_artwork_programmheft

In dieser Woche findet ein sehr angenehmes Projekt seinen Abschluss. Das TEDxHHL-Event startet im Werk 2 Leipzig und ich bin dabei. Unter dem Motto «Bringing down walls» laden Studenten der HHL zu einem Tag spannend klingender Vorträge zum Thema Ideen und Innovation in Wirtschaft, Forschung, Technik und Kultur. Mit dabei unter anderem Physiker und Kabarettist Vince Ebert, der Extrem-Autor Tom Mitchelson und der Leipziger Andreas Bischof von analogsoul.

Das Event wurde bereits seit Juni vorbereitet und ich dafür ausgewählt, dem Projekt mit einem visuellen Erscheinungsbild ein Gesicht zu geben. So entstanden neben dem grundlegenden Artwork Plakat, Flyer, Programmheft, Banner und Co. Kollege Rico Hofmann sorgte zudem für die Animation des Entwurfs. Als Sahnehäubchen ziehe ich mit DSLR durch das Werk 2 und halte Speaker, Publikum und das Drumherum fotografisch fest. Als kleine Herausforderung zur TEDx passiert das instant. Also fast. Das heißt, während der Pausen gehen die Bilder nach der Entwicklung sofort online. Ich bin gespannt… (Nachtrag: hat funktioniert, die Bilder wurden sofort am Abend zum Meet&Greet auf der Leinwand präsentiert).

Die Fotos gibt es hier zu sehen.